RecommendFacebook LinkedIn

News

Transformation: Neue Perspektiven auf die Frank-Stella-Skulptur „Newburgh“

Fenstergestaltung in der Uni-Mensa anlässlich des Projekts Stella ins Licht

Künstlerischer Rahmen und gestaltete Blickachsen laden zu anderem Blick auf Stellas Werk ein

Jena, 16. Oktober 2026 – Mit dem Jubiläumsfest „Stella ins Licht“ können am 29. Oktober ab 18 Uhr mit verschiedenen Aktionen auf dem Ernst-Abbe-Platz die Skulpturen des amerikanischen Künstlers Frank Stella neu entdeckt werden. Doch schon jetzt bieten sich ganz neue Blicke auf die zentrale Skulptur „Newburgh“ in der Mitte des Platzes.

Zwei Wochen vor der Veranstaltung „Stella ins Licht“ startete am 15. Oktober eine künstlerische Intervention. Zwei gestaltete Fenster eröffnen neue Perspektiven auf Frank Stellas Skulptur „Newburgh“. Die Aktion ist Teil des Veranstaltungsprogramms anlässlich des 30-jährigen Bestehen des Skulpturenparks und lädt dazu ein, das Kunstwerk aus neuen und ungewohnten Blickwinkeln zu entdecken. Die Jenaer Künstlerin Kerstin Undeutsch gestaltete die beiden Fenster im Foyer der Friedrich-Schiller-Universität in der Carl-Zeiß-Straße 3 und im Foyer der Mensa am Ernst-Abbe-Platz. Ihre Entwürfe wurden auf Folien übertragen, die die Glasflächen nahezu vollständig bedecken. Lediglich ein zentraler Ausschnitt bleibt frei und gibt den gezielten Blick auf die Skulptur „Newburgh“ frei.

Durch diese bewusste Rahmung wird die Skulptur aus ihrer gewohnten Umgebung herausgehoben und neu erfahrbar. Die künstlerische Gestaltung der Fenster übernimmt dabei eine doppelte Funktion: Sie ist eigenständiges Werk und zugleich ein Mittel, die Aufmerksamkeit auf Stellas Kunst zu lenken. Im Zusammenspiel beider Positionen entsteht ein Dialog, der dazu einlädt, die eigene Wahrnehmung und Beziehung zur Kunst im öffentlichen Raum zu hinterfragen. Die so entstandenen Blickachsen sollen auf dem Abbe-Platz fortgeführt werden. Unter Anleitung des Künstlers Michael Drosdek werden Schülerinnen und Schüler mit temporärem Graffiti in den kommenden Tagen visuelle Verbindungen zwischen den Fenstern und der Skulptur gestalten. Dabei greifen sie das Leitmotiv „Transformation“ auf, das für Frank Stellas künstlerisches Denken und besonders für die Skulpturen unter dem Titel „Hudson River Valley Series“ auf dem Ernst-Abbe-Platz eine zentrale Rolle spielte. Der Begriff erscheint in verschiedenen Sprachen und erweitert die Gestaltung um eine sprachliche und gesellschaftliche Dimension.

Mit der Aktion entsteht ein neuer Wahrnehmungsraum, der Stellas Skulptur mit den umliegenden Gebäuden und den Menschen auf dem Platz verbindet. Unterschiedliche künstlerische Ausdrucksformen treten miteinander in Beziehung und eröffnen neue Zugänge zu einem Kunstwerk, das längst Teil des Jenaer Stadtbildes ist. Das Projekt lädt dazu ein, Vertrautes neu zu sehen, Perspektiven zu wechseln und Kunst im Alltag bewusst zu entdecken. Die Initiative geht auf die ReCover Stiftung zurück und ist Teil des Frank-Stella-Events, das am 29. Oktober auf dem Ernst-Abbe-Platz stattfindet.

Anlässlich des 30jährigen Jubiläums der Skulpturen auf dem Ernst-Abbe-Platz laden Kunstschaffende, Kunstfreunde, Kulturförderer, die JENOPTIK AG, die Friedrich-Schiller-Universität Jena und die Stadt Jena gemeinsam die Jenaer Bevölkerung zu einem Aktionsabend auf den Platz ein. Unter dem Titel „Stella ins Licht” laden Diskurse, Ausstellungen, Installationen und Live-Performances dazu ein, die Werke des berühmten US-amerikanischen Malers, Bildhauers und Objektkünstlers (neu) zu entdecken.

Das Programm setzt sich aus vielen verschiedenen Ideen und Projekten rund um die Werke von Frank Stella zusammen. Mit dabei sind Schüler*innen des Christlichen Gymnasium Jena mit Skulpturen, Grafik, Musik und Comic-Arbeiten, die Klangkünstler Tim Helbig und Georg Wettin, die den Skulpturen Musik entlocken, der Lichtkünstler Robert Seidel mit einer Illumination und Projektion an das Ernst-Abbe-Hochhaus, die Debattiergesellschaft des Friedrich-Schiller-Universität Jena zu Kunst im öffentlichen Raum, Studierende der Kunstgeschichte der Universität mit Informationen rund um die Skulpturen sowie die Stadt Jena mit Einblicken in das künftige Umfeld der Skulpturen auf einem neu gestalteten Platz.

  • Termin: Donnerstag, 29. Oktober 2026
  • Start: 18 Uhr
  • Ort: Ernst-Abbe-Platz
  • Eintritt frei

Stellas Werke werden ins Licht gerückt

Kein Alt Text hinterlegt.

Jubiläumsfest für den Skulpturenpark auf dem Ernst-Abbe-Platz

  • Aktionstag am 29.10.2026 ab 18 Uhr
  • Programm mit neuen Kunstaktionen für die Öffentlichkeit
  • Würdigung des Ehrenbürgers Frank Stella in Jena
  • Neue Website mit Details zu Kunst und Wirken in Jena

Jena, 29. September 2026 – Seit 30 Jahren prägen die Stahl-Skulpturen des Künstlers Frank Stella den Jenaer Ernst-Abbe-Platz. Dieses Jubiläum wird am Donnerstag, 29. Oktober 2026, mit einem inspirierenden Programm gefeiert. Unter dem Titel „Stella ins Licht” laden Kunstschaffende, Kunstfreunde, Kulturförderer, die JENOPTIK AG, die Friedrich-Schiller-Universität Jena und die Stadt Jena gemeinsam die Jenaer Bevölkerung dazu ein, die Werke des US-amerikanischen Malers, Bildhauers und Objektkünstlers bei Ausstellungen, Installationen und Live-Performances neu zu entdecken.

„Dass Jena den größten Skulpturenpark des Künstlers Frank Stella außerhalb der USA besitzt, ist im Bewusstsein der Bevölkerung zu wenig präsent. Mit diesem vielfältigen Event sollen die Skulpturen aus dem Schattendasein im wahrsten Sinne des Wortes ins Licht gerückt werden”, sagt Kulturdezernent Johannes Schleußner. „Verschiedene Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft, Kunst und Kultur, Politik und Verwaltung haben ihre Kompetenzen und Perspektiven für dieses vielfältige Projekt gebündelt. Genau dieses interdisziplinäre Zusammenspiel macht es so besonders – und zeigt beispielhaft, wie viel eine Stadt bewegen kann, wenn sie ihre Kräfte für ein gemeinsames Ziel einsetzt. Mein Dank gilt allen Beteiligten, die diesen wichtigen Impuls gegeben und mit großem Engagement zur Umsetzung beigetragen haben.

Enge Verbindung zur JENOPTIK AG

Untrennbar mit dem international renommierten Künstler Stella in Jena sind die Themen Optik, Licht und Innovation und damit die JENOPTIK AG verbunden. Es ist vor allem dem großen Engagement des damaligen Geschäftsführers Lothar Späth zu verdanken, dass der Skulpturenpark 1996 auf dem Platz eingeweiht werden konnte. Im selben Jahr präsentierte die Galerie der JENOPTIK AG im Ernst-Abbe-Hochhaus in ihrer Ausstellung Handzeichnungen und eine Collage von Frank Stella. In eigenen Ausstellungen, werden seit 1994 Berührungspunkte von Wirtschaft, Technologie, Kunst, Licht und Wahrnehmung aufgezeigt. Seit 2022 präsentiert das Unternehmen im Rahmen der Reihe „tangente digital art“ digitale Kunstprojektionen am Ernst-Abbe-Hochhaus und Hauptsitz der JENOPTIK AG, die von der Galerie Huber & Treff kuratiert werden. In diesem Herbst, zur bereits zehnten Auflage dieser Licht- und Medienkunstreihe, die ebenfalls am 29. Oktober startet, steht das Werk Stellas im Fokus.

Skulpturen mit den Ohren entdecken

Beim Jubiläumsfest geht es jedoch um weit mehr als um das Betrachten. Das Duo Reinhart Hammerschmidt/ Tim Helbig wird in seiner konzertartigen Performance „Echovalley” eine Skulptur Stellas als Resonanzkörper nutzen und mit diversen Gegenständen wie Geigenbögen und Schwämmen zum Klingen bringen. Mikrofone fangen die Vibrationen des Metalls ein, eine Live-Elektronik verarbeitet und transformiert die Signale. Die sich entfaltende Klanglandschaft ist eine Einladung, die Skulptur mit allen Sinnen zu entdecken. Raum für neue visuelle Entdeckungen entsteht, wenn der Medienkünstler Robert Seidel die festen Stahlwerke mit sich stetig wandelnden Lichtprojektionen überzieht. Wie eine Haut werden sich die komplexen Formen über die Skulpturen legen.

Inspiration für junge Menschen

In mehreren Projekten haben sich Schülerinnen und Schüler aus Kunst- und Musikkursen des Christlichen Gymnasiums Jena aus neuen Blickwinkeln dem Werk Stellas genähert. So wird ein Stück der Minimal Music von Terry Riley erklingen, großformatige Grafiken und Skulpturen können im Foyer der Universität entdeckt werden und eine Installation aus Schrottteilen ist zu sehen, die im Viertelstundentakt zum Leben erweckt wird.Zur Auseinandersetzung über Kunst im öffentlichen Raum lädt die Debattiergesellschaft der Universität Jena ein. „Kunst im öffentlichen Raum trifft einen Nerv: Sie lädt zum Staunen und Nachdenken ein, zum Diskutieren, Hinterfragen und vor allem zum Mitmachen. Gerade die geplante Umgestaltung des Ernst-Abbe-Platzes macht deutlich, dass unsere Stadt nicht nur geplant und verwaltet wird, sondern dass wir sie gemeinsam gestalten können. Mit diesem gemeinsamen Projekt bekennen wir uns als Stadt zum Erhalt dieser Kunstform und laden herzlich dazu ein, Jenas kulturelles Erbe neu zu entdecken, eigene Perspektiven einzubringen und gemeinsam darüber zu diskutieren, wie Kunst unsere Stadt prägt und zukünftig prägen soll”, so Dezernent Schleußner.

Sichtbare Zeichen von Stellas Ehrenpromotion

Initiiert vom Jenaer Kunsthistoriker Franz-Joachim Verspohl, damals Leiter des Lehrstuhls für Kunstgeschichte an der Friedrich-Schiller-Universität, erhielt Stella am 6. Februar 1996 die Ehrendoktorwürde. Verspohl bezeichnete Stella als einen der namhaftesten Künstler des späten 20. Jahrhunderts. Die Ehrung sollte ausdrücklich an die Ehrenpromotion des französischen Bildhauers Auguste Rodin anknüpfen und Stellas bedeutende künstlerische Leistung herausstellen: Ausgehend von der Malerei entwickelte Stella Bildobjekte, die traditionelle Grenzen des Bildes überschreiten und neue Formen der räumlichen Wahrnehmung und Erlebens eröffnen. Für die in Jena aufgestellten Plastiken wählte Stella eine Material- und Formensprache, die industrielle Härte, konstruktive Komplexität und historische Bedeutung zu verbinden sucht. „Aus Sicht der Kunstsammlung der Universität sind die Werke Frank Stellas weit mehr als markante Objekte im öffentlichen Raum: Als sichtbare Zeichen seiner Ehrenpromotion verweisen sie auf die akademische Tradition, künstlerische Innovationskraft zu würdigen und gesellschaftlichen Wandel offen zu diskutieren”, sagt Dr. Babett Forster, Leiterin der Kunststammlung der FSU Jena.

Ernst-Abbe-Platz im Wandel

Seit dem Aufstellen der Figuren ist der Ernst-Abbe-Platz gealtert und soll daher attraktiver gestaltet werden. Weil sich das Areal durch seine Lage zwischen hohen Gebäuden vor allem an heißen Tagen besonders stark erwärmt, liegt ein Fokus auf klimafreundlichen Maßnahmen. Durch das Förderprogramm „Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel“ kann die Umgestaltung mit 85 Prozent durch den Bund kofinanziert werden. Der Grünanteil auf dem Platz soll deutlich erhöht werden, künftig wird das Element Wasser zu erleben sein und die Stella-Figuren sollen ansprechend in Szene gesetzt werden. Sie sollen so positioniert werden, dass sie miteinander kommunizieren können. Geplant ist eine Infotafel, die über den Künstler und seine Werke informiert.

Frank Stella und Jena

Frank Stella, der am 4. Mai 2024 im Alter von 87 Jahren in New York starb, ließ sich einst bei einem Besuch in Jena von der grundlegenden Verwandlung rund um das ehemalige Zeiss-Werk inspirieren. Den Strukturwandel der 1990er-Jahre verarbeitete er künstlerisch und bot Skulpturen seiner 1995 geschaffenen „Hudson River Valley Series“ an, um sie als Kunst im öffentlichen Raum zu präsentieren.

Die Skulptur „Garrison“ schenkte Stella der Friedrich-Schiller-Universität Jena, „Newburgh“, „Peekskill“ und „Bear Mountain“ gehören zur Kunstsammlung der JENOPTIK AG. Mit dem Titel seiner Serie bezog sich Stella auf das Flusstal des Hudson, das während der Industrialisierung eine wichtige Rolle spielte. Genauso war der Ernst-Abbe-Platz von einer Transformation geprägt – von einer rein industriellen Nutzung zu einem heute öffentlichen Platz als ein Universitätscampus und Dienstleistungszentrum mit Ärztehaus und Einkaufsgalerie.

Frank Stella blieb Jena eng verbunden, was auf das Engagement engagierter Kunstfreunde der Stadt Jena zurückgeht. So konnten nach 1996 auch 2001 und dann 2011 im ehemaligen Straßenbahndepot eine weitere viel beachtete Ausstellung in Jena gezeigt werden, die von Prof. Dr. H.c. Martin S. Fischer, Seniorprofessor, gemeinsam mit seiner Frau, der Kulturwissenschaftlerin Dr. Barbara Happe organisiert wurde. Professor Fischer und Barbara Happe hielten zeit seines Lebens engen Kontakt zu Frank Stella und haben sein Wirken in Jena sowie auch das aktuelle Fest eng begleitet und über die Stiftung Denkzeichen unterstützt.

Kein Alt Text hinterlegt.

Wettbewerb der Stadt Jena zur klimagerechten Umgestaltung des Ernst-Abbe-Platzes; 1. Preis, Perspektive mit Blick zur Mensa, © Atelier Loidl – Berlin

Die Umgestaltung des Ernst-Abbe-Platzes in Jena

Aufgrund der in die Jahre gekommenen Gestaltung des Platzes, dem stetig steigenden Nutzungsdruck unter gleichzeitiger klimatischer Veränderung des Stadtkerns wird der Platz den Anforderungen moderner, innenstädtischer Plätze nicht mehr gerecht. Daher soll der Ernst-Abbe-Platz eine grundlegende Überarbeitung erfahren.

Die Neugestaltung ist ein wichtiger Baustein der Klimaanpassung in Jena, heißt es seitens der Stadt. Gleichzeitig stelle das Projekt aufgrund der vielfältigen Anforderungen an Fuß- und Radverkehr, Aufenthaltsqualität, Begrünung und die unterschiedlichen Nutzungen hohe planerische Ansprüche, welche mit den baulichen Rahmenbedingungen wie den Tiefgaragen und den Rettungswegen in Einklang gebracht werden müssen. Rückmeldungen aus der Bürgerschaft helfen dabei, unterschiedliche Interessen bestmöglich abzuwägen.

Im Sommer 2025 kürte eine Jury das Atelier Loidl aus Berlin zum ersten Preisträger im Realisierungs-Wettbewerb. Danach folgte noch ein Vergabeverfahren. Die Skulpturen von Frank Stella bleiben fester Bestandteil des Platzes.

Was eine Reinigung der Stella-Skulpturen in Jena zutage bringt...

Im August 2022 wurden die im öffentlichen Raum stehenden Skulpturen der Hudson River Valley Series erstmals gründlich gereinigt. In den Jahren seit ihrer Aufstellung wurden sie mit Kaugummi und Stickern beklebt sowie mit Graffiti versehen. Auch Blumen und einen Gullideckel wurden in den Skulpturen gefunden.

Das Vorhaben wurde durch die Friedrich-Schiller-Universität Jena und die JENOPTIK AG sowie von zahlreichen Sponsoren und dem Ehepaar Prof. Martin S. Fischer und Dr. Barbara Happe unterstützt. Dadurch konnten die Skulpturen das erste Mal nach über 25 Jahren fachgerecht gereinigt und restauriert werden. Die Restaurierungsarbeiten fanden im Rahmen des International Summer Seminar for Young Academics unter der Leitung des Restaurators Jens Linke statt. Währenddessen wurde auch die Skulptur „Peekskill“ auf einen anderen Sockel versetzt, damit diese nun vom Campus aus besser zu sehen ist.